Baudelaire

Hexenschuss


Eine deutsch-französische Komödie

mit Pierre Cleitman, Paris
und Matis Hönig, Wiesbaden
Regie: Marc Feld, Paris

Vor zehn Jahren standen Pierre Cleitman und Matis Hönig zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Miriam Goldschmidt, die insgesamt fünf Produktionen des Ensemble Prisma inszenierte, brachte die beiden Akteure und Musiker in der Produktion über Isaak B. Singer "Narren wachsen ohne Regen" auf dem Festival "Kulturaustausch Ost-West" in Bern zusammen.

Das Schauspiel von Matis Hönig "Ich und das Dorf" über den Maler Marc Chagall wurde 1994 in der Inszenierung von Miriam Goldschmidt zu dem Zwei-Personen-Stück "Mein Frühstück mit Marc Chagall" für Hönig und Cleitman entwickelt, das seit Jahren international mit großen Erfolg aufgeführt wird.
Mit dem Regisseur Marc Feld wurde 1998 in der Villa Clementine, dem heutigen Literaturhaus Wiesbaden, die Produktion über das Gedicht "Die Reise" von Charles Baudelaire aus der Taufe gehoben. Die Uraufführung war im Februar 1999 an den Mainzer Kammerspielen. Bei einem Gastspiel im hess. Staatstheater Wiesbaden entdeckte uns der Direktor des Theaterfestivals in Fecamp, Normandie, wo der Baudelaire im März 2000 seine französische Premiere mit überwältigendem Erfolg feierte.

Weitere Gastspiele in Frankreich, zwei in Paris, im berühmten " Splendid" und dem "Petit Théâtre de Paris", folgten, von der "Guten Reise" zum "Hexenschuss".


"Lachen und Weinen ist am Ende das Gleiche" (S. Beckett)
Reisen, großer Menschheitstraum zu allen Zeiten. Am Ende des 20. Jahrhunderts, Epoche der Verschwendung, des Konsums, des sehr großen Reichtums Weniger, der sehr großen Armut vieler Anderer, Epoche der Kommunikation, der Änderungen, der Reisen, der Schnelligkeit, des Cyber-Space, des High-Tech, ...
Wir! Wir bewegen uns nicht, wir bleiben da, wir gehen nirgendwo hin. Wir spielen Theater mit dem "Nichts", beinahe mittellos. Mit dem Wunsch dieses "Nichts" zu durchleuchten, Äußeres erkunden, an Grenzen stoßen, eine Grenze. ... Zu spielen, was kommt.
Spielen, um zu sein, gegenwärtig. Ein Stück über Charles Baudelaire und sein Gedicht "Die Reise" kreieren, Nebenwege des Theaters betretend. Dieses Schauspiel ist eine Wette. Eine poetische Wette und eine politische, falls dieses Wort noch einen Sinn hat. Eine schwierige Wette. Faßt nichts. Zwei Stühle, eine zeitlose Lampe, ein banaler Scheinwerfer, eine Kerze, zwei Schauspieler, eine wesentliche Armut, endlich, ..., einige Bewegungen, Details ohne Wichtigkeit, die ihre Wichtigkeit erhalten. Faßt nichts. Auf daß diese Details, der Beginn, der Impuls für das Schreiben, das Spiel, der Streit, die Kindlichkeit werden ... verloren und vielleicht wiedergefunden. Eine Zerbrechlichkeit entwickeln, die jedem Menschen eigen ist. Eine Zerbrechlichkeit, die zu Tränen rühren kann ...
Tragödie, Tragödie der menschlichen Beziehung, Tragödie, die Einen zum Lachen bringen. Spiegel. Lachen, um sich dem Anderen zu nähern. Um zu erkennen. So erscheint ein Theater, ein Theater der "Winzigkeiten", dem Kabarett verwandt, dem Absurden nahe, in der Nähe des Lebens, unseres Lebens. Faßt nichts. Ein Theater, das in einem spärlichen und unbeholfen plazierten Licht beginnt und endet. Vielleicht können wir nur in solch einem winzigen und wundersamen Lichtschein mit einer Reise beginnen.
Pierre Cleitman, Marc Feld, Matis Hönig

Für die Theatersaison 2002 / 2003 wurde das Ensemble für zwei Monate mit seinem Baudelaire ins "Théâtre du Rond Point" nach Paris eingeladen, dem ehemaligen Theater von Jean Louis Barrault. Die Wiesbadener, die gerne einmal nach Paris reisen, haben also die Möglichkeit, in Bälde den Baudelaire in seiner französischen Version in Paris zu erleben.

Die Produktion wurde 1998 unterstützt von: Kulturamt Wiesbaden und Mainzer Kammerspiele

Pierre Cleitman

geboren in Paris.
Philosophiestudium an der Sorbonne. Ausbildung zum Sänger und Akkordeonisten, ethno-musikalische Forschungen in Europa.
1987
Solist beim Menuhin Musikfestival in Gstaad
Seit 1990
Leiter des "Black Yiddish Trio" in Paris
1991
Musikalischer Leiter der Theaterproduktion "Da geht ein Mensch" in der Inszenierung von Miriam Goldschmidt am Theater Basel
Seit 1992
Mitglied des Ensemble Prisma, Musiker in "Mein Frühstück mit Marc Chagall"
1995
"75000" von Scholem Alechem in der Inszenierung von Hans Jörg Betschardt
1996/1997
"Douce France" Europatournée mit den "I Salonisti"
1999
"Bon Voyage Baudelaire" mit dem Ensemble Prisma. "Hotel Savoy" musikalischer Direktor eines Stückes über Eugen Roth in der Inszenierung von Lee Beagley
2001
musikalischer Leitung in Basel von "Was ihr wollt"
2002
"Yang und Yang im deutsch-französischen Verhältnis" , eine Satire über das Verhältnis der beiden Nationen

Marc Feld

1960
in Paris geboren, Schauspielstudium bei Jaques Lecoq in Paris und an der "Ecole Nationale du Cirque" bei Annie Fratellini. Nachdem er zahlreiche Schauspielkurse und Ateliers mit Professionellen und Amateuren leitete, gründete er seine eigene Gruppe, "Le Théâtre du Maraudeur", angeregt durch den Wunsch, eine Begegnung für die unterschiedlichen Kunstgattungen, Schriftsteller, Skulpteure, Tänzer, Musiker, Photographen und Cineasten zu schaffen.
Die Inszenierungen der letzten Jahre:
1993
"Variations sur un texte de Victor Hugo" von Jean-Pierre Drouet
1994
"Lettres d´ or" von Christian Bobin
1995
"Le Journal d´ un manoeuvre", Thierry Metz
1997
"Finalement quoi"
1998
"Obscurités" de J.C. Feldhandler
1998
"La Ferme du Garet" de Raymond Depardon, Festival d´ Automne a Paris
2000
"Le lambago chez Baudelaire"